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Jacob-BĂŒhrer-Straße 2

39343 Haldensleben OT Hundisburg

Rundgang

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Ton und Tongewinnung

Ton und Lehm als Rohmaterial einer jeden Ziegelei ist in fast allen Regionen zu finden, ist aber unterschiedlich zur Ziegelherstellung geeignet. Sie sind Verwitterungsprodukte von Gesteinen, welche unterschiedliche Minerale enthalten wie Quarz, Feldspat, Glimmer und Ă€hnliche Silikate. Ton und Lehm sind mineralogisch und chemisch das Gleiche, unterscheiden sich aber durch die KorngrĂ¶ĂŸe.

Die Ziegelei Hundisburg hat ausschließlich Ton, der in der zuletzt genutzten Tongrube als BĂ€nderton abgelagert war, genutzt. Es ist ein Ton mit geringem Eisen- und reichem Kalkgehalt, der bei einem Brand zwischen 900 und 1000° C eine rötliche bis rötlichgelbe Farbe bekommt.

Die Tongewinnung erfolgte durch Graben und Abstechen mit Hacke und Spaten. 1958 erhielt die Ziegelei einen Eimerkettenbagger, der spÀter von einem Löffelbagger abgelöst wurde.

Der Transport erfolgte ĂŒber schienengebundene Kipploren, die von Pferden gezogen wurden, nach dem Zweiten Weltkrieg wurden Dieselloks eingesetzt. Die ehemalige Tongrube und die Rundfahrt mit der Feldbahn zeigen den Besuchern eine grĂŒne, ruhige und doch belebte Idylle.

Feldbahn

Die Feldbahn, eine schmalspurige und meist auf leicht verlegbaren Gleisen verkehrende Transportbahn, eroberte in den GrĂŒnderjahren ab 1871 Fabriken, Baustellen, MilitĂ€r, Tongruben und Felder.

Als Antrieb diente zunĂ€chst die Muskelkraft von Mensch und Tier. Um 1880 begann der Bau von Lokomotiven fĂŒr Feldbahnen, zunĂ€chst als Dampflokomotiven, spĂ€ter auch mit anderen Antrieben: Elektro- und Dieselloks. Der Wagenpark der Feldbahnen war einfach strukturiert. Zweiachsige Loren, meist ungebremst und ungefedert, prĂ€gten das Bild. Der Einsatz von Feldbahnen in Ziegeleien war wohl die augenfĂ€lligste Anwendung dieses Transportmittels.

Ab 1903 kamen diese auch in der Hundisburger Ziegelei zum Einsatz. Der Ton wurde mit einer Feldbahn, Spurweite 600 mm, mit zuerst 0,5 cbm, spÀter 0,75 cbm Kipploren transportiert. Nicht eindeutig zu klÀren ist, ob die Loren bis zum Einsatz einer Diesellock 1946 mit der Hand geschoben wurden oder ob die im Betrieb vorhandenen Pferde zum Ziehen der Loren eingesetzt wurden.

In den fĂŒnfziger und sechziger Jahren wurden die meisten Bahnen stillgelegt, wobei in der DDR der Wandel im Transport auf LKW, besonders in der Ziegelindustrie, verzögert war. Zum Ende der DDR waren etwa noch 500 schmalspurige Industriebahnen in Betrieb.

Bis zur Stilllegung der Ziegelei 1990 war die Feldbahn in Hundisburg im Einsatz. Heute ist die Feldbahn ein Teil des Technischen Denkmals Ziegelei Hundisburg. Sie dient noch manchmal ihrem ursprĂŒnglichen Zweck, weil heute in der historischen Technik des „Handstrichs“ in gewissem Umfang Ziegel hergestellt werden.

Die Loks und Kipploren wurden instandgesetzt, um sie der Nachwelt zu erhalten und Loks und Loren wurden gesammelt. Zum Technikbestand gehören 10 betriebsbereite Dieselloks, 15 Muldenkipper und 4 Personenwagen, die zu besonderen Höhepunkten den Besuchern vorgestellt werden.

Vorwiegend dient die Feldbahn heute als Besucherbahn. Die Fahrt auf dem ca. 2 km langen Rundkurs ist ein Erlebnis der besonderen Art und wird nicht nur Feldbahnfans begeistern. Der Kurs fĂŒhrt an historischen Brennöfen, dem Eimerkettenbagger und der ehemaligen Tongrube vorbei.

Aufbereitung

Die Rohstoffaufbereitung hat die Aufgabe, den Rohton zu einer bildsamen homogenen Masse zu formen. Das kann ĂŒber natĂŒrliche Aufschlussverfahren wie Wintern, Sommern, Sumpfen und Mauken und ĂŒber kĂŒnstliche Verfahren wie Zerkleinern, SchlĂ€mmen und Heißluftaufbereitung erfolgen.

Erste Aufbereitungsmaschinen, wie der Göpel, entstanden gegen Ende des 18. Jahrhunderts. Der Tonschneider war ab 1850 die erste und lange Zeit die einzige Aufbereitungsmaschine in den Handziegeleien. Kollergang und Walzwerk gelten als die klassische Aufbereitung und fanden ab 1880 zunehmende Verbreitung in den Ziegeleien. Moderne Aufbereitungsanlagen verfĂŒgen ĂŒber Kastenbeschicker, Walzwerke, Kollergang und Mischer.

Bis 1903 war Hundisburg eine Handstrichziegelei in der Ton mit der Hand gegraben, gewintert und gesumpft wurde. Mit dem Bau des Maschinenhauses und dem Einsatz von Kollergang und Strangpresse, die ĂŒber eine Transmission von einem feststehenden Dampfkessel angetrieben wurden, begann die Maschinenarbeit. Hundisburg war eine „Dampfziegelei“.

Die Technologie der Ziegelherstellung wurde 1946 verÀndert. Seitdem besteht die maschinelle Aufbereitung aus Kastenbeschicker, Nasskollergang, Sammelteller und Walzwerk. 1955 wurde das AufbereitungsgebÀude gebaut und die rÀumliche Anordnung der Maschinen verÀndert.

Die Ziegelei verfĂŒgt heute ĂŒber Maschinen aus dem Jahre 1962.

Formen (Handstrich, maschinelle Formgebung)

Der Handstrich ist eine alte Technik der Ziegelherstellung, die schon mehr als 10.000 Jahre alt ist und aus dem Orient kommt. In unserer Region wurde sie erst um 1150 durch Mönche und sĂŒdwesteuropĂ€ische Bauhandwerker bekannt, die die Kloster Havelberg und die Burg Anhalt im Harz errichteten.

Der Handstrichziegel wird durch Einstreichen, Einschlagen und EindrĂŒcken einer weichen Arbeitsmasse von Hand in eine Form aus Holz oder Metall hergestellt. Dazu entnimmt der Ziegelstreicher vom Tonhaufen einen Batzen Ton, formt ihn mit den HĂ€nden vor, wirft ihn dann mit Schwung in die Form und drĂŒckt ihn mit der Faust in den Ecken fest. ÜberschĂŒssiger Ton wird mit einem Abstreichholz abgestrichen. Die Form wird hochgezogen und der Ziegel bleibt auf dem Boden zum Trocknen liegen oder wird mit dem darunter liegenden Brett zum Trocknen gebracht. Nach dem Trocknen erhĂ€lt er durch den Brand bei 950 – 1000°C seine Festigkeit und Farbe.

Hier sehen Sie eine Fotoserie, wie ein Handstrichziegel entsteht und woher er seinen Namen hat.
Das nÀchste Bild zeigt eine Auswahl von Formen. In der PDF finden Sie noch weitere Handstrichziegelformen. (Handstrichziegel.pdf)

Ziegelstreicher fertigten so mit einfachen Formen bis 4000 Ziegel, mit Doppelformen bis 6000 Ziegel tÀglich.

In der Ziegelei Hundisburg betrug die jĂ€hrliche Produktion bis zur EinfĂŒhrung der Maschinenarbeit (1903) ca. 1,4 Millionen Ziegel, davon ca. 1,2 Millionen Mauerziegel. Die Ziegler strichen, bei 12-stĂŒndiger Arbeitszeit, 3.000 – 4.000 Mauerziegel am Tag. Hilfsarbeiten, wie die Vorbereitung des Tones und das Abtragen der handgestrichenen Ziegel, ĂŒbernahmen andere Arbeiter.

Unter dem Aspekt „Ein Denkmal produziert fĂŒr Denkmale“ wird die Handwerkskunst der Ziegelherstellung im Technischen Denkmal Ziegelei Hundisburg, mit der Hand gepflegt.

Die ersten Ziegelformmaschinen kamen Anfang des 19. Jahrhunderts auf den Markt. Sie fĂŒhrten das Streichen der Ziegel maschinell aus.

1863 begann mit der allgemeinen EinfĂŒhrung der liegenden Schneckenpresse von Schlickeysen die industrielle Ziegelherstellung, die 70 Jahre spĂ€ter als Vakuumpresse eine QualitĂ€tsverbesserung erfuhr. Auf der spĂ€ter entwickelten Revolverpresse (Stempelpresse) werden Dachziegel, die durch ihre Maße und Verfalzung durch Abschneiden vom endlosen Strang nicht herstellbar sind, geformt. Durch das MundstĂŒck der Strangpresse erhĂ€lt der Ziegel die endgĂŒltige Form. Der austretende Strang wird automatisch, frĂŒher von Hand, in einzelne Formlinge geschnitten. Dann kamen eine Strangpresse der Firma Schmelzer, Magdeburg, und ein Handabschneider zum Einsatz.

Das Sortiment an Ziegeln wurde beibehalten, Krempziegel wurden weiterhin mit der Hand hergestellt. Die durch Verschleiß notwendigen Neuanschaffungen fĂŒhrten bis 1990 zu keiner wesentlichen Änderung der Technologie und Modernisierung der Maschinen.

Die heutige Strangpresse ist eine Fabrikation von „KEMA Görlitz“, Baujahr 1962, und entspricht in ihrer Funktionsweise der Schneckenpresse von Schlickeysen. Der von Hand betĂ€tigte Abschneider wurde 1960 durch einen Abschneider ersetzt, bei dem das Schneiden automatisch und die Umsetzung auf Förderanlagen mit der Hand erfolgt.

Trocknen

Nachdem der Ziegelformling durch Handstrich oder Ziegelpresse seine Form erhalten hat, wird er getrocknet, um ihn fĂŒr den Brand vorzubereiten. UrsprĂŒnglich wurde an der Luft getrocknet, spĂ€ter ging man zu beheizten Trockenanlagen ĂŒber. (natĂŒrliche und kĂŒnstliche Trocknung)

Nach dem Trocknen hat der Formling seine PlastizitĂ€t verloren und hat eine Eigenfestigkeit, die Transport und Stapelung möglich macht. Er ist aber immer noch in Wasser löslich und kann jederzeit in den plastischen Zustand zurĂŒckgefĂŒhrt werden.

GrundsĂ€tzlich besteht beim Ton durch zu schnelle Trocknung die Gefahr der Rissbildung oder der VerkrĂŒmmung des Formlings, da der Ton mit dem Entzug von Wasser mehr oder weniger schwindet und Spannungen innerhalb des Formlings entstehen.

Die Ziegelei hatte vier Trockenscheunen mit verstellbaren Klappen oder Holzjalousien, von denen drei Scheunen nicht mehr erhalten sind. Die heutige Trockenscheune wurde 1950 an gleicher Stelle der 1945 durch Brand zerstörten Scheune errichtet und verfĂŒgt ĂŒber Holzjalousien, um die Luftzufuhr regeln zu können. Die Trockenzeit bei Lufttrocknung ist witterungsabhĂ€ngig und dauert mindestens 3 Wochen, kann nur ungefĂ€hr von April bis September erfolgen und damit ist die Ziegelei nur ein Saisonbetrieb.

1937 wurde durch Umbau einer Trockenscheune eine kĂŒnstliche Trocknung, eine Kammertrocknung, System Feld, eingerichtet, die unter dem Dach noch Fragmente der verstellbaren LĂŒftungsklappen erkennen lĂ€sst.

Durch Saugzugventilator (Exhaustor) wurden die Rauchgase und AbwĂ€rme des Brennofens zum Trocknen benutzt. Dadurch verringerte sich die Trockenzeit auf 3-5 Tage und war witterungsunabhĂ€ngig. Das war die Voraussetzung fĂŒr den ganzjĂ€hrigen Betrieb der Ziegelei.

Brennen

Unter Einfluss des Feuers, bei Temperaturen zwischen 850° und 1.250°C wird je nach Rohstoffart die Substanz des Formlings so umgewandelt, dass der Werkstoff Ziegel entsteht, der nicht mehr in Wasser löslich ist. Das Brennen besteht immer aus dem AnwĂ€rmen, Aufheizen, Garbrennen und KĂŒhlen.

Auf dem GelÀnde der Ziegelei in Hundisburg wurde 1882 der Ringofen (Hoffmannscher Ringofen) gebaut. Der Ofen war kreisrund, hatte 16 Kammern und in dessen Mitte stand der rechteckige Schornstein.

Der Ringofen wurde 1938 durch einen Zick-Zack-Ofen, erfunden 1868 durch Jakob BĂŒhrer, ersetzt, der von Anfang an mit Ventilatorzug betrieben wurde. Er hat 12 Kammern, die insgesamt ein Fassungsvermögen von rund 120.000 Mauerziegeln haben. Vom Setzen der Ziegel in den Ofen, ĂŒber AnwĂ€rmen, Brennen, KĂŒhlen bis zum AusrĂ€umen der Ziegel, vergehen 8-10 Tage.

Bis 1990 wurde der Zick-Zack-Ofen kohlebeheizt und kontinuierlich ungefÀhr 45 Wochen betrieben und eine Jahresproduktion von 3,2 Millionen Mauerziegel (NF) gebrannt.

Auch heute noch werden die handgestrichenen Formziegel und Fußbodenplatten im kohlebeheizten Zick-Zack-Ofen gebrannt, die dadurch die farbliche Lebendigkeit, IndividualitĂ€t und Struktur bekommen.